Glutenunverträglichkeit erkennen und verstehen – Ursachen, Symptome und Diagnose

von Kaja Kowalski
Glutenunverträglichkeit erkennen und verstehen

Brot, Brötchen, Kuchen und Co. sind seit jeher fester Bestandteil der Ernährung der meisten Menschen. Wenn das auf einmal wegfällt, weil man eine Glutenunverträglichkeit entwickelt, kann einen das erstmal sehr überfordern, weil man sich in seiner Ernährungsweise komplett neu orientieren muss. Dabei ist es bereits ein großer Schritt, wenn man zumindest weiß, wie man eine Glutenunverträglichkeit erkennen und verstehen kann und ob man eine Glutenunverträglichkeit (Zöliakie oder Glutensensitivität) hat, um dann entsprechend handeln zu können. Ganz nach dem Motto: „Wissen ist Macht“.

Ich hoffe sehr, dass ich dir mit diesem Beitrag auf dem Weg zu deiner Diagnose Glutenunverträglichkeit und dem Umgang damit weiterhelfen kann.

Ist eine Glutenunverträglichkeit das gleiche wie Zöliakie? – Unterschied Zöliakie und Glutensensitivität

Wenn man eine Glutenunverträglichkeit erkennen und verstehen möchte, sollte man zunächst einmal über den Unterschied zwischen einer Zöliakie und einer Glutensensitivität Bescheid wissen. Eine Zöliakie ist eine Glutenunverträglichkeit, aber Glutenunverträglichkeit nicht immer gleich eine Zöliakie. Klingt verwirrend, ich weiß, ist aber eigentlich ganz einfach. Eine Glutenunverträglichkeit ist quasi der Oberbegriff für Zöliakie und Glutensensitivität. Auch wenn sich die Zöliakie und Glutensensitivität auf den gleichen Stoff in der Nahrung, nämlich das Gluten beziehen, sind sie doch nicht dasselbe.

Bei einer Zöliakie sollte man Gluten komplett meiden, da hierdurch die Dünndarmzotten zerstört werden. Bei einer Glutensensitivität treten nach dem Verzehr von Gluten Symptome auf, ohne dass eine Zöliakie diagnostiziert wurde.

Die Dünndarmzotten werden bei einer Glutensensitivität durch Gluten nicht zerstört und entzündet, aber das Immunsystem reagiert trotzdem mit Unwohlsein darauf. Oftmals bessern sich die Beschwerden, wenn man eine Zeit lang auf Gluten in der Nahrung verzichtet hat. Das ist übrigens auch der Grund, warum ich begonnen habe, mich glutenfrei zu ernähren.

Mittlerweile vertrage ich sicherlich wieder kleine Mengen an Gluten, ich habe aber so viele tolle glutenfreie Alternativen wie Hirse, Quinoa, Buchweizen und Co. gefunden und möchte gar nicht mehr zum glutenhaltigen Weizen und Dinkel zurück.

Glutenunverträglichkeit erkennen und verstehen – Symptome und Diagnose

Die Symptome einer Zöliakie und einer Glutensensitivität können sehr ähnlich sein. Typisch sind Bauchschmerzen, Durchfälle, Verstopfung, Blähungen und Übelkeit. Dazu kommen oftmals aber auch noch unspezifischere Symptome wie ein allgemeines Unwohlsein, Kopfschmerzen, Infekte, Müdigkeit und Erschöpfung. Während eine Zöliakie eindeutig diagnostiziert werden kann, ist die Diagnose einer Glutensensitivität nicht so einfach. Bei Verdacht auf eine Zöliakie wird zunächst ein Bluttest auf Antikörper durchgeführt. Gluten wird im Dünndarm normalerweise von einem Enzym namens Transglutaminase abgebaut. Bei Zöliakie richten sich aber Antikörper gegen diese Transglutaminase, das Gluten kann nicht mehr abgebaut werden und es kommt beim Verzehr zu den typischen Symptomen. Fällt der Antikörpernachweis positiv aus, handelt es sich wahrscheinlich um Zöliakie. Um sicherzugehen und eine endgültige Diagnose zu treffen, wird dann meistens noch eine Biopsie gemacht. Wichtig ist, dass hiervor noch keine glutenfreie Diät gehalten wurde, damit man bei der Dünndarmbiopsie die Veränderung der Dünndarmschleimhaut durch das Gluten auch gut erkennen kann. Wenn bereits eine längere Zeit glutenfrei gegessen wurde, erholt sich die Schleimhaut nämlich wieder. Wenn bei der Biopsie eine Gewebeveränderung im Dünndarm erkennbar ist, handelt es sich um Zöliakie. Sollte eine Zöliakie trotz bestehender Symptome nach dem Verzehr von Gluten ausgeschlossen werden, handelt es sich wahrscheinlich um eine Glutensensitivität. Hier empfiehlt es sich dann, eine Zeit lang eine glutenfreie Diät durchzuführen, um festzustellen, ob sich die Symptome dann bessern.

Glutenunverträglichkeit erkennen und verstehen – Ursachen und Symptome von Zöliakie /Sprue

Zöliakie bzw. Sprue ist eine Autoimmunerkrankung, eine Erkrankung des Dünndarms und genetisch veranlagt.

Betroffene vertragen überhaupt gar kein Gluten, schon geringste Mengen können Symptome wie Bauchschmerzen, Durchfälle, Kopfschmerzen, Erschöpfung usw. auslösen. Der Verzehr von glutenhaltigem Getreide führt hier zu einer Entzündung und Zerstörung der Dünndarmzotten. Weitere Folgen einer Zöliakie sind Wachstumsstörungen, Gewichtsverlust, Anämie (Blutarmut) und Krämpfe durch unzureichende Nährstoffresorption im Dünndarm. Die Ursachen für eine Zöliakie können eine genetische Veranlagung sein, ein Enzymmangel im Dünndarm oder eine Antigen-Antikörper-Reaktion.

Übrigens sind Zöliakie und Sprue zwei Bezeichnungen für dieselbe Erkrankung, nur dass sie, wenn sie im Kindesalter auftritt als Zöliakie und wenn sie im Erwachsenenalter auftritt, als Sprue bezeichnet wird.

Die Diagnose Zöliakie im Kindesalter ist meistens eindeutig, im Erwachsenenalter ist eine Sprue etwas schwieriger zu diagnostizieren, da die Symptome oftmals nicht mehr so eindeutig sind.

Wann erholt sich der Darm bei Zöliakie wieder und wann verschwinden die Symptome?

Medikamente gegen eine Glutenunverträglichkeit oder gar eine Heilung gibt es leider nicht. Wenn man eine Glutenunverträglichkeit erkennen und verstehen gelernt hat, versteht man auch, dass man mit einer Zöliakie dauerhaft leben und seine Ernährung streng danach ausrichten muss, um Symptome zu lindern und seine Dünndarmzotten regenerieren zu lassen. Dafür bessern sich die Symptome meist relativ schnell, nachdem man auf glutenfreie Kost umgestiegen ist und auch die Dünndarmschleimhaut regeneriert sich in der Regel innerhalb weniger Monate bis zu einem Jahr. Glutenfrei ist ein Lebensmittel übrigens dann, wenn es eine Glutenkonzentration von weniger als 20 mg/kg aufweist. Nur Lebensmittel mit einem Glutengehalt von höchstens 20 mg/kg dürfen dementsprechend auch als glutenfrei gekennzeichnet werden.

Glutenunverträglichkeit verstehen – Welche Nahrungsmittel sollte man meiden?

Wer an einer Zöliakie oder Glutensensitivität leidet, sollte sich genau mit seiner Ernährung auseinander setzen und sich besonders mit einer Zöliakie bei einer Ernährungsberatung genauer informieren. Eine gute Informationsquelle für Betroffene ist auch die Deutsche Zöliakie Gesellschaft e.V. (DZG), die viele Tipps und Hilfestellungen für den Alltag und den Umgang mit der Erkrankung gibt. Meiden solltest du mit einer Glutenunverträglichkeit logischerweise sämtliche Lebensmittel, die Gluten enthalten (Ausnahme: Bei einer Glutensensitivität gilt das nicht ganz so streng wie bei einer Zöliakie und unter Umständen auch nicht lebenslang). Hierzu gehören glutenhaltige Getreidesorten wie Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel, Einkorn, Kamut, Grünkern, Emer und Urkorn. Oftmals versteckt sich Gluten aber auch in Fertigprodukten, wo man es gar nicht vermuten würde, wie in Kroketten, Süßigkeiten, Eis o.A..

Bei einer Zöliakie sollte man am besten auf das Symbol der durchgestrichenen Ähre auf der Verpackung achten, um sicherzugehen, dass wirklich kein Gluten und auch keine Spuren von Gluten im Produkt enthalten sind (auch hier gilt wieder: mit einer Glutensensitivität sind Glutenspuren in der Regel kein Problem).

Neben der Frage, welche Lebensmittel man mit einer Glutenunverträglichkeit meiden sollte, stellt sich aber natürlich vor allem auch die Frage, was man denn überhaupt noch essen kann. Da habe ich einen Tipp für dich! In diesem Bio-Onlineshop für vegane und glutenfreie Lebensmittel findest du jede Menge glutenfreie Produkte, die du ohne Bedenken essen kannst. Das ist wirklich praktisch, wenn man nicht selbst stundenlang die Zutatenlisten lesen muss und einfach zugreifen bzw. in diesem Falle bestellen kann. Ich habe da sogar einen Rabattcode für dich, aber den siehst du dann, wenn du dir den verlinkten Beitrag durchliest :-).

Glutenunverträglichkeit oder Weizenallergie?

Eine Weizenallergie ist keineswegs gleichzusetzen mit einer Glutenunverträglichkeit, da es sich hier, wie es der Name schon sagt, um eine Nahrungsmittelallergie handelt. Das Immunsystem reagiert hier auf bestimmte Allergene im Weizen. Zu den Unterschieden zwischen Unverträglichkeiten und Allergien habe ich bereits einen ausführlichen Beitrag verfasst.

Buchtipp: Ernährung bei Zöliakie und Co.

Auch wenn ich das Buch selber nicht gelesen habe, erscheint es mir sehr seriös und die Ernährungs-Docs finde ich auch richtig super.

Die Ernährungs-Docs - Gute Verdauung: Die besten Ernährungsstrategien bei Reizdarm, Zöliakie, Morbus Crohn & Co.
  • ZS Verlag GmbH
  • Die Ernährungs-Docs - Gute Verdauung: Die besten Ernährungsstrategien bei Reizdarm, Zöliakie, Morbus Crohn Co.
  • ABIS-BUCH
  • Weiss
  • Riedl, Dr. med. Matthias (Autor)

Deine Kaja

Quellen zum Nach- und Weiterlesen:

Mitglieder der Selbsthilfegruppe Morbus Crohn- und Colitis-ulcerosa-Erkrankte in Lippe, der Diätassistentenschule Bielefeld sowie Ärzte, Therapeuten und andere Mitarbeiter (2016). Ernährungstipps und wichtige Informationen für Menschen mit Reizdarm und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (3.Auflage).

aid Infodienst (2009). Allergisch auf Essen? Ratgeber bei Lebensmittelunverträglichkeiten

https://www.ernaehrung.de/tipps/zoeliakie, abgerufen am 09.05.22

https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/zoeliakie/untersuchungen-diagnose.html, abgerufen am 09.05.22

https://www.zentrum-der-gesundheit.de/news/gesundheit/allgemein-gesundheit/zoeliakie-glutensensitivitaet-16100455, abgerufen am 09.05.22

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